Lingenau – Quelltuff – Drahtbrücke – Negrellibrücke
Am Donnerstag, 10.04.2025 bei schönem Wetter fuhren wir mit dem Zug von Feldkirch nach Dornbirn. Mit dem Landbus 860 fuhren vom Bahnhof Dornbirn zur Bushaltestelle Lingenau St. Anna.
Bei der St. Anna Kapelle (669 m) starteten wir unsere Rundwanderung und wir wanderten abwärts auf dem St. Anna Sträßchen zum Kapf (655 m) und nach Heselhalden (618 m). Beim Vorarlberger Wanderwegweiser (VWW) Heselhalden <<Lingenau, Anbr. Heselhalden, Heselhalden 618 m, VWW 51.05>> endete das geteerte Sträßchen. Im Südosten konnte man die Bergspitzen Winterstaude (1,877 m), Tristenkopf (1.741 m) und Vordere Niedere (1,678 m) erkennen. Auf die Frage an die Wandergruppe wer die schneebedeckten Gipfel im Südwesten kennt, erfolgte keine Antwort, so dass ich hier die Berggipfel von links nach rechts nochmals aufzähle: Hangspitze (1.746 m), Guntenkopf (1.811 m), First (1.800 m) und Leuenkopf (1.830 m). Auf dem Kiesweg abwärts gehend erreichten wir den Eingang zum Quelltuff, ein schmaler Holzsteg mit Stufen steil abwärts führend. Der Eingang zum Holzsteg ist beschildert mit „Durchgang auf eigene Gefahr“ und die Hinweistafel das Naturdenkmal Quelltuff nicht zu zerkratzen und vor allem nicht anzurühren. Wird die Kalkschicht des Quelltuffs mit der Hand berührt, so hinterlässt die Haut eine ganz feine Fettschicht auf dem Kalkgestein. Sie ist zwar kaum zu sehen, stoppt aber die Kalkablagerung an der betroffenen Stelle. Dadurch wird das Wachstum des Quelltuffs unterbrochen. Auf schmalen Kiesweglein und engen Holztreppen ging es auf dem Quelltuff-Lehrpfad abwärts zu einer aus Holz gebauten Aussichtsplattform (557 m). Diese Plattform markierte auch die tiefste Stelle des Lehrpfades. Die darunter liegende Subersach befindet sich auf einer Höhe von 522 Meter. Blickte man nach oben, von diesem Aussichtpunkt aus, konnte man den faszinierenden Quelltuff bestaunen, als ob sich ein „Lavastrom“ von ca. 30 Meter Breite in Richtung Subersach bewegen würde. Besonders das morgendliche Sonnenlicht ließ den Quelltuff mit seinem herunterfließenden Wasser sowie seine umgebenden Steine und Moose in vielen schillernden Farben erscheinen. Der Quelltuff in Lingenau gehört zu den spektakulärsten Kalksinterbildungen in der nördlichen Alpenregion. Anschließend wanderten wir etwas anstrengend wieder hoch und beim Wegweiser VWW 51.04 (627 m) zweigten wir ab hinunter zum Drahtsteg, der in einer Höhe von 547 m liegt. Der Drahtsteg ist eine Hängebrücke die 15 Meter über dem Wasserspiegel der Subersach hängt und eine Länge von 57 Metern aufweist. Der Wanderweg, der über den Drahtsteg (Hängebrücke) führt, überquert die Subersach wackelig, aber sicher und führt weiter nach Großdorf und Egg. Übrigens mit unserer sogenannten „Rucksackmethode“ konnten wir auch unsere zögerlichen Wanderer über die wackelige Drahtsteg bzw. Hängebrücke begleiten. Indiana „Indy“ Jones lässt grüßen, wenn man von Hängebrücken spricht, denkt man unweigerlich an die wackelige und äußerst furchteinflößende Brücke aus dem Film Indiana Jones. Unglaublich, aber wahr – die längste Hängebrücke der Welt mit 500 Meter Länge ist in der Schweiz zu finden. Der Name, der nur 65 cm breiten, Hängebrücke: Charles Kuonen Hängebrücke. Sie verbindet im Wallis Zermatt und Grächen. Nach der Lingenauer-Egger Drahtbrücke wanderten wir aufwärts durch den Wald in Richtung Großdorf. Beim Wegweiser VWW 23.11 (Großdorf Außerfeld, Kreuzung Drahtsteg-Galgenbühel) zweigten wir nach Großdorf ab. In Großdorf (662 m) bestaunten wir die wunderschönen traditionellen bäuerlichen Bregenzerwälderhäuser. Weiter wanderten wir nach Gebatz (720 m) und Stocker (730 m) dann hinunter nach Heckisau (684 m) zur Gschwendtobel-Brücke (596 m). Im Volksmund auch Negrelli-Brücke genannt. Die gedeckte Holzbrücke von Alois Negrelli gilt heute noch als ein Meisterwerk der Ingenieur- und Zimmermannskunst. Die Gschwendtobel-Brücke war damals die wichtigste Verbindung zwischen dem Vorder- und Mittelbregenzerwald. Nach der Brücke gingen wir auf dem Gschwend-Forstweg durch den Wald aufwärts und erreichten die Parzelle Gschwend (680 m) und anschließend die Ortsmitte von Lingenau (685 m). Hier kehrten wir zum Mittagessen in das CAFE BADHUS und Unverpacktladen ein.
Ein ehemaliges Badehaus mit vielen spannenden Geschichten. Nachdem im Haus vor dem ersten Weltkrieg Tonele‘s Badehaus untergebracht war, lag der Name BADHUS nahe. Fließendes Wasser und Heizung waren damals Luxus. Die Lingenauer trafen sich in Abteilen im Erdgeschoß, wo ihnen Tone die Wannen mit Wasser aus dem Dorfbrunnen – der heute noch direkt vor dem Haus liegt – füllte und für ihr Bad wärmte. Uns empfing aber nicht Tone im BADHUS, sondern die sehr freundliche Sarah mit ihrem Team im schönen umgebauten Café und Unverpacktladen zum feinen Mittagsgericht. Anschließend noch ein Cafe mit einer hervorragenden Tortenkreation. Wir bedankten uns beim freundlichen BADHUS-Team und wünschten weiterhin viel Erfolg mit dem CAFE-BADHUS.
Direkt vor dem BADHUS stiegen wir in den Landbus ein und fuhren über Egg zum Bahnhof Dornbirn und von dort mit dem Zug nach Feldkirch.
Siehe Vorarlberger Wanderweg Standortblatt (VWW):
Beachten Sie bitte die auf jeder Tafel die kleingedruckte Standort-Nummer (z.B. VWW 51.12).
https://data.vorarlberg.gv.at/raumplanung/wanderweg_standortblatt/
- 250410 Lingenau, Anbr. Straßenkreuzung bei Annakapelle, St. Anna 668m, VWW 51.12 Quelltuff-Lehrpfad (START der Wanderung)
- 250410 Lingenau, Anbr. St. Anna (Meusburger), VWW 51.28
- 250410 Lingenau, Anbr. Heselhalden, Heselhalden 618 m, VWW 51.05
- 250410 Lingenau, Anbr. Abzweigung Drahtsteg, VWW 51.04
- 250410 EGG, Anbr. Hoftobel – Einmündung zum Drahtsteg, VWW 23.12
- 250410 Egg, Anbr. Großdorf Außerfeld, Kreuzung Drahtsteg-Galgenbühel, VWW 23.11
- 250410 Egg, Anbr. Großdorf – Außerdorf (Kapelle), VWW 23.07
- 250410 Egg, Anbr. Großdorf-Außerdorf, Abzw. Rieseweg, VWW 23.82
- 250410 Egg, Anbr. Großdorf – GH Adler, VWW 23.08
- 250410 Egg, Anbr. Weiher, Weiher 670 m, VWW 23.18
- 250410 Egg, Anbr. Sennhaus Stocker, Stocker 730 m, VWW 23.19
- 250410 Egg, Anbr. Heckisau, VWW 23.13
- 250410 Lingenau, Anbr. Brücke Gschwendtobel, Gschwendtobel 596 m, VWW 51.21
- 250410 Lingenau, Anbr. Gschwendtobelweg – Abzw. hinauf nach Hehl, VWW 51.35
- 260410 Lingenau, Anbr. Gschwend, Brücke Lingenau-Großdorf, Gschwend 680 m, VWW 51.22
- 250410 Lingenau, Anbr. bei Bildstock, VWW 51.02
- 250410 Lingenau, Anbr. Dorfplatz, Lingenau 685 m, VWW 51.01 (ENDE der Wanderung)
QUELLTUFF Information: Wenn aus Wasser Steine werden
Eines der beeindruckendsten Naturphänomene in Vorarlberg ist der Quelltuff in Lingenau. Man kann auf diesem Naturlehrpfad beinahe in Echtzeit erleben, wie sich Steine bilden. Aber was ist überhaupt dieser Quelltuff? Die Bezeichnung Tuff ist aus geologischer Sicht falsch. Als Tuff wird Gestein bezeichnet, das aus verfestigter vulkanischer Asche entstanden ist. Als die Römer um 15 v. Chr. Vorarlberg eroberten, kamen sie auch in den Bregenzerwald. Das seltsame Gestein, das sie hier vorfanden, erinnerte sie an die Gesteine in ihrer Heimat in Süditalien und sie benannten es nach diesem Tuffgestein. Aber wie entsteht dieser Quelltuff nun wirklich? Ohne Moos nix los! Damit Quelltuff-Gestein entstehen kann, braucht es einige Zutaten. Und die sind in Lingenau optimal vorhanden. Der Großteil der Gemeindefläche liegt auf einer Gletschermoräne oder nacheiszeitlich gebildeten Schotterflächen. Diese Flächen sind sehr wasserdurchlässig, das Gestein großteils kalkhaltig. Wenn das kalkhaltige Wasser an die Oberfläche kommt und über Moosteppiche, Algenteppiche oder Kolonien von Cyanobakterien fließt, wird eine größere Kalkmenge abgelagert, weil diese Organismen für die Photosynthese dem Wasser Kohlenstoffdioxid entziehen und der Kalk dadurch ausfällt. Der Kalk legt sich um Äste, Steine, kleine Bäume usw. und es entstehen nach oben wachsende Gebilde oder Stufen in Bachterrassen. So können bei guten Bedingungen Kalksedimente von bis zu 20 mm pro Jahr wachsen. Innerhalb weniger Jahrhunderte entstehen so meterhohe Strukturen. Der Quelltuff wurde lange Zeit auch als Baumaterial verwendet. Er war leicht, stabil, gut isolierend und feuerbeständig. Ein Beispiel findet man noch heute an den Grundmauern der St. Anna Kapelle in Lingenau. Quelle: Vorarlberg Travel
Zur Information Bergwanderung:
250410 V50plus Quelltuff-Drahtbrücke-Negrellibrücke-Lingenau BF 10.04.2025
Bergwanderung, min. Höhe 548 m, max. Höhe 730 m, Distanz 7,66 km, Höhenmeter Anstieg 345 m, Abstieg 334 m, min. in Bewegung: 02 h 19 min
Text: Arno Huber; Fotos: Maria Speckle, Günter Schabus, Arno Huber











































































