Sonnenaufgangwanderung Mittagkopf

Sonnenaufgangwanderung Mittagkopf

Eine Sonnenaufgangswanderung im Tirol, Paznauntal, Mittagkopf 2249 m bei Kappl, wählten wir am Donnerstag, 25.08.2022 als Ziel für unsere Wandertour. Dies hieß für uns bereits um 03.30 Uhr von Feldkirch in das Paznauntal nach Kappl abzufahren. Meine sehr geschätzte Schwiegertochter stammt aus Kappl. Also fragte ich ihren Vater, Ing. Helmut Sailer (Forstingenieur und Jäger), ob er uns als Ortskundiger nicht begleiten könnte. So trafen wir uns um 05:15 Uhr in Kappl beim Parkplatz in der Nähe der Trisannaholzbrücke mit Helmut. Helmut führte uns, noch im Dunkeln, mit seinem Allradjeep, die teilweise recht steile Forststraße, bis zu unserem Ausgangspunkt der Nachtwanderung. Bei einem kleinen Parkplatz unterhalb des Mittagkopfes stiegen wir aus. Wir schulterten die Rucksäcke und setzten die Stirnlampen auf. Im Dunkeln, aber im Schein der Stirnlampen stieg Helmut voran, gleich einen steilen schmalen Pfad mit zum Teil hohen Stufen. In 2165 m machten wir unsere erste kurze Rast. Nun langsam wurde es etwas heller und man konnte schon die Konturen der Umgebung erkennen. Wir wanderten jetzt stetig aufwärts auf dem schmalen Pfad und querten auf einem steilen Hang die stählernen Lawinenverbauungen. So erreichten wir bald das Gipfelkreuz des Mittagkopfes (2249m) und die Stirnlampen wurden auf Grund der zunehmenden Helligkeit nicht mehr gebraucht. Genügend Bänkchen waren vorhanden, um etwas zu trinken und um auf den Sonnenaufgang, bei herrlicher Sicht ohne Wolken, zu warten.  Bald blinzelte die Sonne im Westen auf der Spinnscharte (2681m) zwischen Gamsbergspitze (2839m) und Rotpleiskopf (2933m), die zur Samnaungruppe gehören, hervor. Ein berauschender Anblick wie die Sonnenstrahlen die umliegenden Bergspitzen zuerst rötlich dann dunkelgelb erleuchteten. Bald erreichten auch uns die Sonnenstrahlen und erwärmten uns und unser Herz ob diesem Schauspiel. Jetzt erklärte uns Helmut, der als Förster und Jäger das Paznauntal wie seine eigene Westentasche kennt, die Umgebung bis zur gut sichtbaren Zugspitze (2962m). Von Westen bis Norden und nach Osten waren folgende Bergspitzen zu sehen: Fatlarspitze (2986m), Seßladspitze (2906m), Kappler Kopf (2404m), Madaunspitze (2961m), Riffelspitze (2936m), Beilstein (2749m), Hausberg (2218m), Hohe Spitze (2796m), Weißer Schrofen (2849m), Kapplerjoch (2672m), Kleiner Riffler (3014m), Blankahorn (3129m), Hoher Riffler (3168m), Großgfallkopf (2639m), Pezinerspitze (2550m), Zugspitze (2962m), Tschirgant (2370m), Giggler Spitze (2614m), Gamsbergkopf (2821m), Gamsscharte (2685m), Gamsbergspitze (2839m), Spinnscharte (2681m), Rotpleiskopf (2933m), Kübelgrubenscharte (2770m), Kübelgrubenkopf 2870m, Blankakopf (2892m).

Von den Sonnenstrahlen aufgewärmt machten wir uns auf den Rückweg. Jetzt sahen wir beim Abwärtswandern auch die gewaltigen stählernen Lawinenverbauungen in den Steilhängen, durch die uns Helmut begleitete. Auch konnte man jetzt einen Blick ins Tal, besonders auf die Ortschaft Kappl, werfen. Bald erreichten wir den kleinen Parkplatz, unseren Ausgangspunkt der Wanderung. Ein Teil unserer Gruppe wanderte aber weiter bis zur Visnitzer Alpe. Die Visnitz Alpe, am Visnitzbach gelegen, befindet sich in einem ruhigen Seitental von Kappl. Der Visnitzbach fließt über einen Wasserfall bei Kappl in die Trisanna. Auf der Visnitzer Alpe (1825m) hatte Helmut bereits am Vortag ein Bergfrühstück bestellt. Die Visnitz-Alpe wird von einer Alpfamilie aus dem Eggental (Südtirol) bewirtschaftet. So erwartete uns die freundliche Enkelin Selin von der Sennerin Johanna bereits und geleitete uns in die heimelige Zirbenstube, wo ein schön gedeckter Tisch, ein Bergfrühstück mit natürlichen eigenen Köstlichkeiten wie Käse, Butter und Milch zur Stärkung bereitstand. Helmut erzählte uns auch neben vielen interessanten Begebenheiten, dass die Interessentschaft Visnitz (Alpe Visnitz und Rotwegkapelle) 66 Weideberechtige zählt und durch einen Obmann geführt wird. Zum Abschluss des Bergfrühstückes erhielten wir von der gesprächigen und sehr gut gelaunten Sennerin Johanna noch einen feinen Latschenlikör. Ein lustiges Beisammensein nahm nun sein Ende und wir starteten abwärts und machten bei der Rotwegkapelle einen Stopp.

Die sehenswerte und sehr schön eingerichtete Rotwegkapelle wurde im Jahre 2004 durch die Interessenschaft Visnitz saniert. Hier trennten sich unsere Wege von Helmut und wir bedankten uns für seine hervorragende Begleitung und für die vielen interessanten Informationen über Berg und Tal. Die Rückreise erfolgte über Galtür und dem Silvretta Stausee. Beim Silvretta Stausee machten wir eine kurze Rast und konnten dabei beobachten wie der Polizeihubschrauber am Hohen Rad (2934m), in der Nähe des Gipfelkreuzes, mehrmals eine Bergrettung mit einem am Seil hängenden Bergretter durchführte. Nach dem wir die eindrucksvolle Bergrettung und das wunderbare Bergpanorama ohne Wolken gesehen hatten fuhren wir wieder ins Tal zurück.

220825 SBF Sonnenaufgangswanderung Mittagkopf 2249m, Kappl, BF 25.08.2022

Bergwanderung Distanz 2,5 Km (4,6 Km), Höhenmeter bergauf 174 m, bergab 177 m (424 m), min. Höhe 2072 m (1825 m), max. Höhe 2236 m, in Bewegung: 1 h 00 min (1 h 40 min)

Text und Fotos: Arno Huber