Thusis Kirche St. Martin

Thusis Kirche St. Martin

Unser heutiges Ausflugsziel war die Kirche St. Martin im Dorfkern von Zillis im Schweizer Kanton Graubünden. In einer eindrucksvollen Führung erhielten wir Einblick in die lange Geschichte dieser herrlichen Kirche, die bereits im Jahr 831 urkundlich erwähnt wurde.

Die Kirchendecke ist ein Kunstwerk aus der Hochromanik und eines der ganz seltenen Werke dieser Art, das nahezu vollständig und ohne Übermalungen erhalten geblieben ist. Die Decke wurde um 1109 bis 1114 gemalt und besteht aus 153 quadratischen Bildtafeln  von jeweils ca. 90 cm Seitenlänge. Die meisten sind aus Tannenholz und wurden zuerst mit einer dünnen Schicht  Gips grundiert, dann aufrecht bemalt und erst dann in die Decke eingesetzt. Die Decke besteht aus 48 Randfeldern und 105 Innenfeldern. Die Randfelder, die bis auf die vier Eckfelder ausschliesslich Szenen auf dem Wasser zeigen (durchlaufendes Wellenband), stellen zusammen wohl einen Ozean dar. Darauf sind grösstenteils seltsame, in der Form von Mischwesen gestaltete Meeresungeheuer als Sinnbild des Bösen sowie drei Szenen mit Schiffen aus der Darstellung der Geschichte von Jonas zu sehen. Auf den vier Eckfeldern jedoch sind, auf festem Grund stehend, Engel als Personifikation der vier Winde und Verkünder des Jüngsten Gerichts angeordnet. Die inneren Bilder, die alle Szenen auf dem Festland zeigen, sind folgenden Themen aus dem Leben Christi gewidmet. Die Verkündigung und die Geschichte der Heiligen Drei Könige, die Flucht aus Ägypten und der Kindermord zu Bethlehem.  Es folgen die  Taufe Jesu und anschliessend die Lehrtätigkeit und die Wundertaten Christi. Nach dem Abendmahl Jesu endet die Leidensgeschichte mit der Dornenkrönung. Die letzte Bilderreihe berichtet aus dem Leben des Heiligen Martin.

Nach diesem kulturellen Hochgenuss ging es zurück nach Chur, wo wir uns bei einem Mittagessen stärkten. Danach unternahmen wir eine Stadtwanderung durch die Alpenstadt. Die Bündner Hauptstadt Chur bietet auf engstem Raum eine geballte Ladung an Sehenswürdigkeiten. Vom Bahnhof mit seinem kühn konstruierten Glasdach ging es ins Getümmel der lebendigen Bahnhofstraße. Malerische Seitengässchen zogen immer wieder unsere Blicke auf sich. Ein kleiner Abstecher zum Fontanapark mit seinen mit Buchshecken umrahmten Blumenrabatten und dem Springbrunnen hat sich jedenfalls gelohnt. Oben am Hof kamen wir zur Residenz des Churer Bischofs. Gleich daneben lag die Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt. Durch einen kleinen Tunnel ging es wieder hinunter zur Altstadt, wo der markante Turm der Martinskirche die Szene beherrscht. Durchs Bärenloch erreichten wir den Arcas, ein wunderbarer Altstadtplatz mit Häuserzeilen wie aus dem Bilderbuch. Die gemütlichen Cafés luden zum Verweilen ein. Nach einem kleinen Abstecher ans Ufer der Plessur gelangten wir beim Obertor wieder in die Altstadt und zurück zum Ausgangspunkt. (ad)

Fotos: Albert Dobler