Vortrag von Prim. Dr. Albert Lingg am 12.03.2019 im Sozialzentrum Mariahilf

Bei einem sehr gut besuchten Vortrag sprach Dr. Lingg vor kurzem auf Einladung der Seniorenbund-Ortsgruppe Bregenz über den medizinisch-psychiatrischen Zugang zum gesundheitlichen Risiko der Einsamkeit.

So kann Einsamkeit auch als Atempause in unserer Hektik, als Innehalten, als Zeit für schöpferische Tätigkeit gesehen werden. Sie kann aber auch krank machen, ein Risikofaktor für internistische Krankheiten, für Depression und Demenz sein. Nach Professor Dr. Spitzer ist Einsamkeit die unbekannte Krankheit.

Primar Dr. Lingg unterscheidet zwischen Alleinsein, chronischer Einsamkeit und sozialer Isolation. Ältere und jüngere Menschen sind häufiger betroffen als Menschen im mittleren Lebensalter. Einsamkeit ist abhängig von der Persönlichkeit, vom Umgang mit Mitmenschen, von seelischen Verletzungen, auch nicht verarbeitete Kränkungen spielen eine Rolle. Bei Menschen, die viel aufeinander angewiesen sind, spielt Einsamkeit keine Rolle. Die Individualisierung in der heutigen Zeit ist eine wichtige Ursache. Chronische Einsamkeit kann krank machen, sie begünstigt zum Beispiel das Auftreten eines hohen Blutdrucks, von Übergewicht, von Zuckerkrankheit und Demenz vom Alzheimertyp. Weiters wird das Immunsystem geschwächt, die Hormonbalance gerät durcheinander, das Glücks- und Bindungshormon nimmt ab. Die chronische Einsamkeit entsteht allmählich. Am Anfang besteht oft ein sozialer Rückzug, man fühlt sich nicht mehr attraktiv, das Schmerzzentrum wird empfindlicher, ein erhöhter Alkoholkonsum stellt eine zusätzliche Gefahr dar.

Zur Vorbeugung und Behandlung wäre das Interesse für das Leben anderer wichtig, die Übernahme von Aufgaben für die Gemeinschaft oder auch z.B. das Interesse für Musik. „Gebraucht werden“ ist wichtig. Ebenso können Rituale für Verluste im Alter wichtig sein.

In der Diskussion gab es viele Wortmeldungen mit Hinweisen auf Selbsthilfegruppen, Mohi, Beratungsangebote wie z.B. „Omnibus“ (Du bist nicht allein auf diesem Weg) oder Erfahrungen von Spaziergängerinnen.

Dr. Josef Bachmann

 

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Fotolegende: © Seniorenbund Bregenz